Amy Greene wurde in den Ausläufern der Smoky Mountains geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern lebt. Bloodroot ist ihr erster Roman.


Amy Greene im Interview mit Krimiscout

KS: Ist ein Buch erst einmal erschienen, hat der Autor keine Kontrolle mehr darüber. Wie stehen Sie zu dieser These?

AG: Das ist vollkommen richtig. Irgendwann gibt der Autor seinen Text frei und überlässt ihn seinen Lesern. Das ist ein furchterregender, aber auch ein befreiender Moment. Seit dem Erscheinen von Bloodroot im Jahre 2010 bin ich bei vielen Lesungen und literarischen Veranstaltungen mit meinen Lesern ins Gespräch gekommen. Bei jedem Austausch entdecke ich neue Seiten an meinem Text. Leser bereichern einen Roman mit ihren persönlichen Interpretationen und Erfahrungen.

 „Für mich ist Schreiben ein Akt des blinden Vertrauens“

KS: Würden Sie sagen, Sie gewinnen mit jedem Buch mehr Selbstvertrauen?

AG: Ehrlich gesagt hat mich meine Erfahrung das Gegenteil gelehrt. Erst jetzt, bei meinem dritten Roman, fürchte ich gelegentlich, die Zauberkraft des Schreibens, dieser Quell der Inspiration, könnte plötzlich versiegen. Für mich ist das Schreiben ein Akt des blinden Vertrauens. Ich erschaffe meine Romane Satz für Satz und hoffe, dass sie sich am Ende zu einem Ganzen fügen.

KS: Wie gefällt Ihnen das Schreiben als Vollzeitbeschäftigung? Geht es Ihnen manchmal auf die Nerven?

AG: Wir Schriftsteller führen ein unstetes Leben, aber ich schätze mich glücklich, dass ich Schreiben zu meinem Beruf machen konnte. Wenn mich die weniger erfreulichen Aspekte meines Berufs umtreiben, erinnere ich mich daran, dass es nicht auf der Welt gibt, was ich lieber tun würde. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass in diesem Beruf die Vorteile die Nachteile bei weitem überwiegen.

KSWo schreiben Sie?

AG: Meist schreibe ich im Freien, unter einer riesigen Eiche im Garten. Wenn es zu kalt ist oder regnet, ziehe ich mich an meinen Schreibtisch zurück, wo ich von Büchern und Fotos umgeben bin, die mich inspirieren.

Schreibtisch Amy Greene

KS: Gibt es einen Mythos über Schriftsteller, den Sie gern entlarven würden?

AG: Ich glaube, viele Leute haben eine falsche Einschätzung davon, wie viel Arbeit in einem Roman steckt. Schriftsteller fahren vielleicht nicht täglich ins Büro, aber auch wir gehen einer Vollzeittätigkeit nach.

KS: Wie viel Zeit verbringen Sie täglich mit dem Schreiben? Arbeiten Sie nach einem strengen Zeitplan, oder hängt Ihr Pensum eher von der Tagesform ab? Und wie bringen Sie das Schreiben unter einen Hut mit Familie und Arbeit?

AG: Ich arbeite nicht nach einem strengen Schema. An manchen Tagen, wenn mein Geist rege ist, schreibe ich zwölf Stunden am Stück, doch dafür gibt es auch Zeiten, an denen ich putze oder meinen Kindern bei den Hausaufgaben helfe

KS: Macht Ihnen das Schreiben immer Spaß?

AG: Manchmal bereitet mir das Schreiben keine Freude, aber es lohnt sich immer. Ich habe es noch nie bereut, den Stift zu Papier gebracht zu haben.

KS: Wie wichtig ist der Ort in Ihren Romanen?

AG: In meinen beiden Romanen waren die Berge, in denen ich aufgewachsen bin, mehr als nur ein Handlungsort. In beiden Geschichten wird die Landschaft zu einer eigenständigen Figur. Weil diese Gegend, aus der ich stamme, mich auf so vielen Ebenen geprägt hat, ist es mir unmöglich, nicht darüber zu schreiben.

„In meinen Geschichten wird die Landschaft zu einer eigenständigen Figur“

KS: Bloodroot hat mich sehr an meinen Lieblingsroman „Die Sturmhöhe“ von Emily Brontë erinnert. Hat dieser Roman Sie beeinflusst? Haben auch andere Romane oder Schriftsteller Sie inspiriert?

AGErst meine Lektorin wies mich auf die Ähnlichkeiten zwischen den zentralen Themen von Bloodroot und denen in Emily Brontës „Die Sturmhöhe“ hin. Ich habe diesen Roman in der Schule gelesen und er hat mich stets fasziniert. „Die Sturmhöhe“ gehört auch heute noch zu meinem Lieblingsromanen.

KS: Was kommt als Nächstes?

AG: Ich schreibe an meinem dritten Roman mit dem Titel „The Nature of Fire“. Darin geht es um ein Mädchen, das ihre Eltern bei einem Chemieunfall verloren hat und nach den wahren Ursachen dieses Unfalls sucht.

Krimiscout bedankt sich für die interessanten Antworten und wünscht Amy Greene viel Erfolg!

Dt. Übersetzung: Andrea O’Brien

© Krimiscout 2015


 Bildnachweis

Alle Bilder (c) Amy Greene

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin


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