Cath Staincliffe wurde in Birmingham geboren und lebt seit vielen Jahren in Manchester, wo auch ihre Krimireihe um die ungleichen Ermittlerinnen Janet Scott und Rachel Bailey spielt. Dead To Me ist der erste Band dieser Serie.


Cath Staincliffe im Interview mit Krimiscout

KS: Ist ein Buch erst einmal erschienen, hat der Autor keine Kontrolle mehr darüber. Wie stehen Sie zu dieser These?

CS: So würde ich das nicht beschreiben. Obwohl natürlich jeder Leser den Text mit seiner individuellen Fantasie bereichert und ihn entsprechend interpretiert. Aber das ist ja gerade das große Vergnügen am Lesen!

KS: Würden Sie sagen, Sie gewinnen mit jedem Buch mehr Selbstvertrauen?

CS: Nein. Ich bin immer wieder nervös, weil ich nicht weiß, ob das, was ich mir ausgedacht habe, als Buch funktioniert und gut genug ist. Aber man kann nur sein Bestes geben und hoffen, das es ausreicht …

KS: Wie gefällt Ihnen das Schreiben als Vollzeitbeschäftigung? Geht es Ihnen manchmal auf die Nerven?

CS: Schreiben ist meine große Leidenschaft. Es ist wie Spielen, Geschichten erfinden, den ganzen Tag Abenteuer erleben. Ja, manchmal ist es schwierig. Wenn es einfach nicht fließen will oder eine Figur sich einfach nicht richtig fassen lässt, aber sobald diese Probleme gelöst sind, geht es weiter, und das ist einfach wunderbar. Ich kann mir keinen anderen Beruf vorstellen. Zu den weniger erfreulichen Aspekten gehört dabei allerdings die prekäre Einkommenssituation. Es ist ziemlich schwer, mit dem Schreiben seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.

KSWo schreiben Sie?

Arbeitsplatz Cath Staincliffe

Autorin Cath Staincliffe hat ein Zimmer für sich allein

CS: Die erste Fassung schreibe ich mit der Hand. Das tue ich im Sessel in meinem Schlafzimmer. Diese Aufzeichnungen tippe ich später in den Computer, der in meinem Arbeitszimmer steht. Früher war dieses Zimmer unser Wohnzimmer, und ich teilte es mit meinen Kindern. Seit die Kinder groß sind, gehört es mir allein. Es ist vollgestopft mit Büchern und Erinnerungsstücken, und morgens scheint die Sonne herein – wenn es nicht gerade regnet, was in Manchester häufiger der Fall ist.

„Schreiben ist wie Spielen, Geschichten erfinden und den ganzen Tag Abenteuer erleben“

KS: Gibt es einen Mythos über Schriftsteller, den Sie gern entlarven würden?

CS (lacht): O ja! Dass wir den ganzen Tag faul rumsitzen und dabei einen Haufen Geld verdienen. (Was natürlich nicht stimmt!)

KS: Wie viel Zeit verbringen Sie täglich mit dem Schreiben? Arbeiten Sie nach einem strengen Zeitplan, oder hängt Ihr Pensum eher von der Tagesform ab? 

CS: Schreiben ist mein Beruf, also beginnt mein Arbeitstag nach dem Frühstück und endet vor dem Abendessen. Als ich mit dem Schreiben begann, war ich noch sehr jung und ging zusätzlich einem Halbtagsjob nach. Damals blieb mir nur der Freitagvormittag fürs Schreiben. Meine ersten beiden Romane entstanden ausschließlich Freitagvormittags. So erlernte ich meine eiserne Selbstdisziplin und beschloss außerdem, das Bügeln aufzugeben.

KS: Macht Ihnen das Schreiben immer Spaß?

CS (denkt nach): Meistens schon. Mit Spaß meine ich dieses Abtauchen in die Welt meiner Romane und die emotionale Bindung zu meinen Figuren. Wenn es richtig spannend wird, kaue ich sogar auf den Fingernägeln herum, und wenn es traurig ist, weine ich beim Schreiben. Wenn mir dieses Mit-Fühlen nicht gelingt, liegt es daran, dass ich an einem Problem herumtüftele. Wenn es mir nicht so viel Freude bereiten würde, hätte ich das Schreiben längst aufgegeben.

„Eine lebendiges Setting verleiht der Geschichte ihre Textur“

KS: Wie wichtig ist der Ort in Ihren Romanen?

Straße in Manchester, Interview mit Cath Staincliffe

Manchester, eine Stadt mit vielen Gesichtern

CS: Äußerst wichtig! Ein lebendiges Setting verleiht der Geschichte ihre Textur. Der Großteil meiner Romane spielt in Manchester, eine Stadt mit vielen Gesichtern. Mein neuestes Buch Half The World Away ist allerdings in Chengdu in China angesiedelt. Es handelt von einem Studenten, der dort verschwindet. Diese Stadt ist so wichtig für die Geschichte, dass ich sie extra selbst besucht habe, um sie authentisch beschreiben zu können.

KS: Wie kam es dazu, dass Sie die Bücher zur Fernsehserie Scott & Bailey schrieben?

CS: Das Erfolgsrezept der TV-Serie Scott & Bailey  beruht auf einer Idee von Sally Wainwright und Di Taylor. Ich war bereits ein Riesenfan dieser Serie, als Transworld mich bat, eine Prequel zu schreiben und den Lesern zu erzählen, wie aus Janet Scott und Rachel Bailey ein Ermittlerduo wurde. Ich war begeistert, aber von der Steilvorlage auch ziemlich eingeschüchtert. Es war mir wichtig, die Figuren in ihrer Einzigartigkeit und den besonderen Ton der Fernsehserie genau zu erfassen. Der Fall, den die beiden in Dead To Me zu lösen haben, ist allerdings meine Erfindung. Ich verhielt mich also ungefähr so wie eine Bauchrednerin der beiden Fernsehautorinnen. Transworld war hochzufrieden mit dem Ergebnis, und ich habe mittlerweile zwei weitere Bücher zur Serie geschrieben.

KS: Was kommt als Nächstes?

CS: Half The World Away erscheint im Frühjahr 2016 als Taschenbuch auf dem britischen Markt. Außerdem habe ich soeben meinen neuesten Thriller mit dem Titel The Silence Between Breaths fertiggestellt.

Krimiscout bedankt sich für die interessanten Antworten und wünscht Cath Staincliffe viel Erfolg!

Dt. Übersetzung: Andrea O’Brien

© Krimiscout 2015

Bildnachweis

Beitragsbild © Paul Herrmann 

Bild 1 © Cath Staincliffe (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin)

Bild 2 © Theresa Hanich (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung)


Krimiscout Service

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