Als ehemalige Polizistin weiß Krimiautorin Karen Campbell, wovon sie schreibt. Die schottische Autorin sammelte als Streifenpolizistin auf den Straßen Glasgows hautnah Erfahrungen mit Gewalt und Verbrechen, bevor sie Creative Writing an der Universität von Glasgow studierte und ihre ersten Krimis schrieb.

„Karen Campbell ist eine feste Größe in der schottischen Krimiszene“

Mit ihrer sehr spannenden und unbedingt lesenswerten vierteiligen Serie um die Polizistin Anna Cameron (Twilight Time, After the Fire, Shadowplay, Proof of Life) gewann sie 2009 den Best New Scottish Writer Award. Weitere Titel folgten. Ihr kürzlich veröffentlichter Roman This Is Where I Am wurde von BBC Radio4 für die Reihe A Book at Bedtime ausgewählt.

Karen Campbell ist eine feste Größe in der schottischen Krimiszene. Rise ist ihr neuester Roman.

Wichtiger Rahmen: Ort und Zeit

Rise spielt im geschichtsträchtigen fiktiven Ort Kilmacarra in den Tagen kurz von dem schottischen Referendum. Weder Handlungszeitpunkt noch Ort dieses Krimis um Schuld und Sühne sind zufällig gewählt.

Der Roman beginnt mit der dramatischen Flucht der jungen Justine Strang vor ihrem Zuhälter, dem unberechenbaren und höchst gewalttätigen Dealer Charlie Boy. Früh am Morgen schleicht sich Justine aus der gemeinsamen Wohnung in Glasgow, entkommt Charlie um Haaresbreite und nimmt in ihrer Verzweiflung den nächsten Bus in die Highlands. Bei einem ungeplanten Halt in Kilmacarra steigt sie aus, weil sie sich auf unerklärliche Weise von den dort vor vielen Jahrhunderten aufgestellten und von der Bevölkerung wenig beachteten Standing Stones angezogen fühlt.

In Kilmacarra leben seit kurzer Zeit auch Michael und Hannah, die in einer neuen Umgebung ihre durch eine Affäre zerrüttete Ehe zu retten hoffen. Wider Willen übernimmt Michael im Dorf eine Doppelrolle als Pfarrer und Gemeinderat. Hannah blickt zuversichtlich in die Zukunft, sie schreibt an einem Roman und schließt sich der Bürgerbewegung des Ortes an, die gegen einen geplanten Windpark kämpft. Michael tut sich schwerer, er hat eine Glaubenskrise, leidet unter dem Betrug seiner Frau und hadert mit seiner unfreiwilligen Doppelrolle. Immer öfter erscheint ihm ein „Geist“, der mit ihm spricht und sich über sein Leben lustig macht.

Als sich die Ereignisse dramatisch zuspitzen, tritt Justine in Michaels Leben. Einer seiner Söhne wurde bei einem Unfall lebensgefährlich verletzt und liegt im Koma. Sie heuert als Kindermädchen an und kümmert sich fortan um den zweiten Sohn. Doch Charlie Boy ist ihr auf den Fersen, denn Justine hat bei der Flucht auch seine Tasche mit Geld mitgenommen.

Kilmacarra – mystischer Ort mit prähistorischer Vergangenheit

Das fiktive Kilmacarra, inspiriert vom realen Dorf Kilmartin in den Highlands, ist ein mystischer, geschichtsträchtiger Ort, dessen Relikte seiner prähistorische Vergangenheit durch die Errichtung eines modernen Windparks bedroht werden. Der geplante Eingriff in Natur und Geschichte des kleinen Ortes schürt Zwietracht unter den Einwohnern.

Aber die Frage nach Herkunft und Geschichte spaltet nicht nur die Gemeinschaft Kilmacarras, sondern verweist auch auf zentrale Fragen des schottischen Referendums.

Trennung oder Einheit?

Das Thema Trennung und Einheit spielt in diesem Roman eine wichtige Rolle, sowohl im privaten als auch im politischen Kontext. Wie die beiden Hauptfiguren durchläuft auch Schottland eine Krise seiner politischen Union mit England. Bestehendes wird hinterfragt und man vergewissert sich, ob das Fundament noch trägt. Der vor dem Ausgang des Referendums erschienene Roman von Karen Campbell beleuchtet nicht nur die schlechten Seiten einer Trennung, sondern auch deren befreiendes Potenzial.

Religion und Wahn

Michaels Halluzinationen sind irritierend und schwer zu deuten, weil sie erst gegen Ende des Romans aufgeklärt werden. In diesen sperrigen Passagen stellt die Autorin nicht nur ihren Protagonisten und dessen Umwelt, sondern auch den Leser auf die Probe.

Vielschichtiger Krimi, der lange nachhallt

Campbells Roman behandelt mehrere komplexe Themen und schnürt sie zu einer spannenden Geschichte zusammen. Arglos verbreitete Lügen, kleine und große Geheimnisse, Gier und Gedankenlosigkeit ballen sich zusammen und entladen sich in einem explosiven Finale, das noch lange nachhallt.

Die Autorin

Karen Campbell wurde 1967 in Paisley, Schottland, geboren und wuchs in Glasgow auf. Sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter arbeiteten bei der Strathclyde Police und auch Karen Campbell war zunächst als Polizistin in Glasgow tätig. Nach der Geburt ihrer Kinder erwarb Campbell einen Master in Creative Writing von der Universität Glasgow. Die Autorin wohnt mit Mann und zwei Kindern in Galloway.

Bisher erschienen:

  • The Twilight Time (2008)
  • After The Fire (2009)
  • Shadowplay (2010)
  • Proof of Life (2011)
  • This is Where I Am (2013)
  • Rise (2015)

© Krimiscout 2015

Buchinfo

Titel: Rise
Format: Taschenbuch
Verlag und Erscheinungsjahr: Bloomsbury Circus, 2015
Seitenzahl: 426

Weiterführende Informationen

Karen Campbells Website


Bildnachweis

Beitragsbild: Buchcover „Rise“
Bild 1: „Nether Largie“ by Kenny Davidson – Own work. Licensed under CC BY-SA 2.5 via Wikimedia Commons – Creative Commons
Bild 2 und 3: © Krimiscout 2015